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Chair of Architecture and Urban Design
Asst. Prof. Dr. Alex Lehnerer

Master thesis

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Master thesis

Ein Monument Für Zürich

Im direkten Anschluss an den Projektperimeter befindet sich der Manesseplatz. Eine Bushaltestelle, ein Name, aber kaum identitätsstiftend. Stattdessen dominieren die Arme der Autobahnbrücke und der Stummel in ihrer Mitte. Dieser zeigt eine Vision, die entworfen und verworfen wurde. Als Mahnmal einer hitzigen politischen Debatte ragt er über die Sihl. Was einst als Teil der Lösung des innerstädtischen Verkehrs gedacht war, wurde zur Gefahr für Verkehrsteilnehmer. Eine bis heute ungelöste und potenziell gefährliche Fehlplanung. Aber auch ungenutzt in ihren Möglichkeiten. Ein ungewolltes Monument für einen Ort, der sich schwer tut, eine Identität zu finden und der doch regelmässig Grundlage für Visionen war, sei es das Lustwäldchen des 18. Jahrhunderts, das Industriegebiet des 19. Jahrhunderts, oder der Autobahnknotenpunkt des 20. Jahrhunderts. Doch keiner dieser Ansätze konnte sich vollumfänglich und dauerhaft behaupten. Heute sind Infrastruktur und Bewegung die prägenden Faktoren.

Jede Siedlung basiert auf ihren durch Wasserläufe und Strassen gewährleisteten Infrastrukturen. Diese beiden Urelemente (oder urbaner Fix¹) der Stadt treffen hier aufeinander, überlagern sich und wirken raumschaffend. Vor jedem kulturellen Faktor beginnen diese Elemente eine Gemeinschaft zu formen.

In einem kulturell diversifizierten Land, in welchem Gemeinschaften zunehmend auf spezifischen Ansichten, Einkommensniveaus und Glaubenssystemen beruhen, wird jedes Zusammentreffen mit Individuen ausserhalb unserer gewählten Kreise zu einer Erinnerung an die grössere Struktur unserer Demokratie. Unsere Verkehrsinfrastruktur – unsere infrastrukturellen Monumente – als Gemeinschaftsraum zu erkennen und zu entwickeln, würde tagtäglich ein Bewusstsein dieses grösseren Gefüges schaffen.²

Die Schweiz, als ein Land, in welchem Gewässer, topographische Merkmale, Brücken und Tunnels zu den bedeutendsten Wahrzeichen und Monumenten zählen, findet sich mit dem Perimeter ein Ballungsraum an Potenzial für ein Monument, welches sich nicht an Minderheiten, sondern an die Gesellschaft als Ganzes richtet.

Wo endet das Monument und wo beginnt das Trottoir?³

Als Grundlage dienen dem Projekt das Vokabular der unmittelbaren Umgebung und die bestehenden Eigenheiten und angedeuteten Besonderheiten des Perimeters. Es wächst dementsprechend aus der Geste der Unterführung sowie jener der Böschung heraus, ist inspiriert durch die sich überlagernden Ebenen des Tunnels und der Brücke. Die entwickelten Systeme reagieren auf den fragmentierenden Charakter des Bestandes und wirken der dadurch entstandenen Durchgangszone entgegen. Sie ermöglichen eine endlose Bewegung im Perimeter. Dem Dead End des Autobahnstummels wird der Loop entgegengesetzt.

 

¹ Alison & Peter Smithson

² Stan Allen: Infrastructural monument MIT Center for Advanced Urbanism. New York: Princeton Architectural Press, 2016, S. 20 (übers.)

³ T. Říha, R. Reemaa, L. Linsi: Weak Monument : architectures beyond the plinth. Zürich : Park Books, 2018, S. 1 (übers.)

Project by: Djuna Stöckli